Themen 2013

Dialoge führen

Shareholder Activism – zu Deutsch Aktionärsaktivismus – ist seit vielen Jahren ein Thema, das das Management deutscher Aktiengesellschaften beschäftigt. Dabei geht es insbesondere um die richtige Form des Dialogs zwischen aktiven Investoren und den Organen der Aktiengesellschaft.

Diskussion auf EU-Ebene

Das jüngste Grünbuch der EU-Kommission zum Thema Corporate Governance belegt, dass auch auf EU-Ebene eine verstärkte, rechtlich verankerte Mitwirkung von institutionellen Investoren an der Geschäftsführung gefordert wird. Dies betrifft insbesondere börsennotierte Aktiengesellschaften. Die Diskussion auf EU-Ebene muss jedoch durchaus kritisch betrachtet werden. Leider gelingt es deutschen Interessensvertretern in Brüssel immer weniger, bei Gesetzgebungsprojekten ausreichend auf unser zweistufiges Modell – das heißt auf die Überwachung und begleitende Beratung durch den Aufsichtsrat sowie die Geschäftsführung durch den Vorstand – Rücksicht zu nehmen. Das Ergebnis ist, dass viele gesetzgeberische Verstöße auf EU-Ebene klar erkennbar vom monistischen System geprägt sind. Und dies trotz der empirischen Erkenntnis, dass dieses System keinesfalls zu einer effizienteren Kontrolle der Geschäftsführung beiträgt. 

Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften sind sich heute darüber bewusst, dass ein fortlaufender, enger Dialog mit institutionellen Investoren zu einer guten Geschäftsführung gehört. Insbesondere der Finanzvorstand größerer deutscher Aktiengesellschaften verbringt einen guten Teil seiner Arbeitszeit damit, institutionellen Investoren, im Rahmen des kapitalmarktrechtlich Zulässigen, die Geschäftsentwicklung des Unternehmens zu erläutern. 

Internationales Missverständnis

Während der Dialog mit inländischen institutionellen Investoren meist unproblematisch ist, kommt es immer wieder zu Spannungen, sobald ausländische, insbesondere angelsächsische, Investoren beteiligt sind. Dies liegt vor allem an einem „Übersetzungsfehler“: Aus Sicht der UK-Investoren ist der deutsche Aufsichtsratsvorsitzende dem „Chairman of the Board“ gleichzusetzen und damit ihr Hauptansprechpartner. Der Aufsichtsrat ist jedoch nach deutschem Aktienrecht primär ein sogenanntes Innenorgan. Für die Vertretung nach außen und damit auch den Dialog, zum Beispiel mit institutionellen Investoren, ist aktienrechtlich in erster Linie der Vorstand zuständig.

Allerdings hat sich, nicht zuletzt als Lehre aus der mit hoher Öffentlichkeitswirkung geführten Auseinandersetzung zwischen Chris Hohn (TCI) und dem Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Börse AG, zwischenzeitlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es durchaus sinnvoll und aktienrechtlich zulässig sein kann, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende wesentliche Gespräche mit institutionellen Investoren gemeinsam mit dem Finanzvorstand führt. Vom aktienrechtlichen Rollenverständnis geprägte Berührungsängste können hier schädlich sein. Selbstverständlich muss bei einem solchen Dialog peinlichst genau auf die Einhaltung der kapitalmarktrechtlichen Anzeige- und Meldepflichten geachtet werden, so dass Investoren in derartigen Gesprächen kein rechtlich relevantes Sonderwissen übermittelt werden kann.

(März 2013)