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Covid-19: Investmentfonds und
Asset Management

Auch die Investmentbranche bleibt von der Covid-19-Pandemie, dem derzeit alles beherrschenden Thema, nicht verschont. Betroffen ist das gesamte Kapitalanlagespektrum, also sowohl Anlagen in Wertpapiere als auch in alternative Assets wie z.B. Private Equity, Immobilien oder Infrastruktur. Die damit zusammenhängenden Rechts- und Verwaltungsakte im Bereich des Kapitalanlagerechts blieben bislang dennoch überschaubar.

Insgesamt dürften Investoren im derzeitigen Marktumfeld ihre Investitionsentscheidungen und ihre bestehenden Investments einer kritischen Prüfung unterziehen. Für institutionelle Anleger hat sich gegebenenfalls die relative Gewichtung der in ihrem Portfolio gehaltenen Anlagenklassen verändert. Zum einen ist dies eine Folge der auf den Aktienmärkten (zumindest vorübergehend) eingetretenen hohen Volatilität und späteren Erholung in bestimmten Wirtschaftssektoren, zum anderen wirken sich die weiterhin unklaren gesamtwirtschaftlichen Aussichten auf die Bewertung und Preisbildung von alternativen Anlagen aus. Die BaFin hat in diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass sie bei Investoren, die der Anlageverordnung (AnlV) unterworfen sind, eine vorübergehende passive Überschreitung der sog. „Immobilienquote“ nicht beanstanden wird, um aufsichtsrechtlich bedingte Notverkäufe zur Einhaltung der Immobilienquote zu vermeiden und die Finanzmarktstabilität zu wahren. Solange die Immobilienquote überschritten ist, dürfen allerdings keine entsprechenden Neuanlagen getätigt werden. Zu einer passiven Überschreitung der Immobilienquote bei einem institutionellen Anleger könnten z.B. Kurseinbrüche am Aktienmarkt und eine damit verbundene Abwertung des Aktienportfolios geführt haben.

Aus Investor-Relations-Sicht hat es sich als wichtig erwiesen, während der Pandemie mit allen Investoren in regelmäßigem Austausch zu stehen, um den Investoren zu zeigen, dass Notfallpläne (insbesondere in Bezug auf die Arbeit im Home Office) greifen konnten und das Geschäft „as usual“ fortgesetzt wurde. Es ist weiterhin damit zu rechnen, dass sich viele Investoren regelmäßig nach den Auswirkungen der Krise auf die Bestandsportfolien sowie die von den Produkten angebotenen Rücknahmemöglichkeiten erkundigen werden. Hier ist eine einheitliche und gut vorbereite Investorenkommunikation besonders wichtig. 

Gegebenenfalls ergeben sich aus bestehenden Fondsverträgen und mit Investoren geschlossenen Side Lettern besondere Reporting- oder Mitteilungsverpflichtungen gegenüber allen oder bestimmten Investoren. Ebenfalls sollte geprüft werden, ob nunmehr gesonderte Konsultationspflichten gegenüber Anlegerausschüssen oder Anlegerbeiräten existieren.

Sponsoren und Kapitalverwaltungsgesellschaften („KVGen“) sollten zudem auch weiterhin ihre Notfallpläne fortlaufend beobachten und regelmäßig prüfen, ob im Hinblick auf die aktuelle Situation um Covid-19 Anpassungen notwendig sind. Des Weiteren sollten die Notfallpläne von Portfoliounternehmen, von wesentlichen Dienstleistern und anderen Geschäftspartnern während der andauernden Pandemie geprüft werden, um die Kontinuität relevanter Geschäftsbeziehungen zu gewährleisten. 

Angesichts der pandemiebedingten organisatorischen und technischen Veränderungen hält die BaFin es für aufsichtsrechtlich vertretbar bzw. im Rahmen des Notfallkonzepts sogar für erforderlich, die strengen Anforderungen zu Geschäftsabschlüssen für Investmentvermögen außerhalb der Geschäftsräume (klare Regelungen und saubere Dokumentation jedes Geschäfts) zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs krisenbedingt vorübergehend im Rahmen einer Home Office-Regelung zu lockern. Einzelheiten sind von KVGen in entsprechenden Arbeitsanweisungen festzuhalten.

Trotz Reisebeschränkungen und einem allgemeinen Trend weg von persönlichen hin zu virtuellen Meetings hat sich die Aktivität beim Vertrieb von Fondsanteilen nach anfänglicher Zurückhaltung zu Beginn der Pandemie leicht erholt. Durch elektronische Lösungen konnten die Prozesse bei der Due Diligence, der Verhandlung und der Unterzeichnung von Vertragsdokumenten und der Einholung von Gremienentscheidungen weitgehend fortgesetzt werden. 

Fondssponsoren sollten jedoch ihre Fondsdokumentation überprüfen und sicherstellen, dass sie ergänzende Risikofaktoren und -hinweise enthalten, die sich mit Covid-19 und den potenziellen Auswirkungen auf die Geschäftsaktivität auseinandersetzen. Eine erhöhte Transparenz beim Reporting von bisheriger Performance sollte in Betracht gezogen werden, insbesondere in Bezug auf Branchen und Regionen, die besonders von der Pandemie betroffen sind. 

Schließlich sollten Fondssponsoren im Rahmen von Investoren-Due-Diligence darauf eingestellt sein, nach stets aktualisierten Stellungnahmen gefragt zu werden, insbesondere in Bezug auf die Performance während der Marktverwerfungen und die Umsetzung von Notfallplänen während der Pandemie.

Sponsoren müssen möglicherweise auf Kreditlinien zurückgreifen, um Portfoliounternehmen im Tagesgeschäft ausreichendes Kapital und Liquidität zur Verfügung zu stellen. Gleiches kann auch gelten, wenn Kapitalabrufe ganz oder teilweise durch die Aufnahme von kurzfristigen Krediten überbrückt werden müssen. Falls noch nicht geschehen, sollten Fondsbedingungen und Finanzierungsverträge darauf geprüft werden, ob kurzfristig hinreichende Flexibilität zu einer Fremdkapitalaufnahme besteht. Sofern notwendig, sollte die Zustimmung der Investoren zu zusätzlicher Fremdkapitalaufnahme eingeholt werden oder bestehende Kredite verlängert werden. 

Ein Recht der Investoren auf Rückgabe der Fondsanteile besteht nur, wenn die Anlagebedingungen des betroffenen Fonds dies vorsehen (offene Fonds). Wenn eine Rückgabe von Fondsanteilen während der Laufzeit des Fonds vertraglich nicht vorgesehen ist (geschlossene Fonds), kommt dies nicht in Betracht. Im Bereich geschlossener Fonds müssen sich Sponsoren ggf. auf eine erhöhte Zahl von Transfers von Fondsbeteiligungen einstellen, da dies für Investoren vor dem Laufzeitende die einzige Exit-Option ist. Für eher opportunistisch agierende Investoren bedeutet das eine erhöhte Einstiegsmöglichkeit über den Zweitmarkt.

Bei allen offenen Fonds sind die Voraussetzungen einer Rückgabe in den Fondsbedingungen festgelegt und es ist darin typischerweise vorgesehen, dass die Rücknahme von Anteilen vorübergehend ausgesetzt werden kann und unter welchen Umständen. Bei deutschen Fonds setzt dies regelmäßig voraus, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine Aussetzung unter Berücksichtigung der Interessen der Anleger erforderlich erscheinen lassen (§ 98 KAGB). Ob solche außergewöhnlichen Umstände vorliegen und die Aussetzung von Rücknahmen erforderlich ist, liegt im Ermessen der KVG des Fonds, ist im Einzelfall zu prüfen und kann nicht allgemein beantwortet werden. 

Für alle deutschen offenen Fonds (mit Ausnahme der Publikums-Immobilienfonds, für die solche Regelungen bereits zuvor galten, siehe unten) wurden durch eine Gesetzesänderung im Frühjahr 2020 drei zusätzliche Instrumente zur Liquiditätssteuerung eingeführt: 

  • Erstens können in den Anlagebedingungen von Sondervermögen nach dem KAGB nun Rückgabefristen festgelegt werden, wobei lediglich für Publikumsfonds eine Höchstdauer von einem Monat gilt (§ 98 Abs. 1a KAGB).
  • Zweitens kann in Anlagebedingungen von Sondervermögen nun vorgesehen werden, dass die KVG die Rücknahme von Anteilen beschränken kann (sog. Gating – § 98 Abs. 1b KAGB), wenn Rückgabeverlangen der Anleger einen zuvor festgelegten Schwellenwert erreichen, ab dem die Rückgabeverlangen aufgrund der Liquiditätssituation der Vermögensgegenstände des Sondervermögens nicht mehr im Interesse der Gesamtheit der Anleger ausgeführt werden können. Die Beschränkung der Rücknahme der Anteile darf höchstens 15 Arbeitstage andauern.
  • Drittens ist schließlich auch das sog. „Swing Pricing“ nach dem KAGB nun für alle offenen Publikumsfonds (mit Ausnahme von offenen Immobilien-Sondervermögen) sowie für offene Spezial-AIF zulässig. Dabei handelt es sich um eine Methode zur Milderung von Verwässerungseffekten im Zusammenhang mit einem Überschuss an Ausgabe- oder Rückgabeverlangen von Anlegern (§ 1 Abs. 19 Nr. 34a KAGB). Erhöhte Rückgabeverlangen können den Portfoliomanager beispielsweise zwingen, Vermögensgegenstände zu veräußern. Die hierbei entstehenden Transaktionskosten können nun den Investoren zugeordnet werden, die diese Kosten verursacht haben, und sind folglich nicht mehr zwangsläufig dem gesamten Fondsvermögen zu belasten.

Bei offenen Publikums-Immobilienfonds wäre die Rücknahme auszusetzen, wenn die liquiden Mittel des Fonds nicht ausreichen, um Rücknahmeverlangen zu bedienen und auch nicht zu angemessenen Bedingungen kurzfristig beschafft werden können. Zu diesem Zwecke sind die Vermögensgegenstände des Fonds zu angemessenen Bedingungen (verglichen zum festgestellten Wert) zu veräußern, wobei nach zwölf Monaten ein Abschlag beim Erlös von 10% des festgestellten Wertes und nach 24 Monaten von 20% hingenommen werden kann. Sofern Rücknahmeverlangen nach 36 Monaten nicht durch liquide Mittel und Bankguthaben bedient werden können, verliert die KVG ihr Recht, den Fonds zu verwalten. Im institutionellen Bereich werden in den Fondsbedingungen oft entsprechende oder ähnliche Regelungen vereinbart. Mit kurzfristigen Mittelrückflüssen im Bereich offener Publikums-Immobilienfonds ist jedoch eher nicht zu rechnen, da Anleger (anders als zum Zeitpunkt der Finanzmarkkrise in 2008) Anteile nur unter Einhaltung einer Rückgabefrist von 12 Monaten erklären können und das auch erst, wenn sie die Anteile zuvor mindestens 24 Monate gehalten haben (Mindesthaltefrist).

 

Für weitere Informationen steht Ihnen unser Linklaters Team für Investmentfonds gerne zur Verfügung.

ANSPRECHPARTNER

COVID-19 TASK-FORCE

 

Dr. Andreas Dehio, Partner, Aufsichtsrecht
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Dr. Jan Endler, Partner, Öffentliches Recht / Beihilfen
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Dr. Timon Grau, Partner, Arbeitsrecht
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Dr. Carsten Grave, Partner, Kartellrecht
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Dr. Jochen Laufersweiler, Partner, Corporate / M&A
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Oliver Rosenberg, Partner, Steuerrecht
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Dr. Sven Schelo, Partner, Restrukturierung
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Kirstin Schwedt, Partnerin, Dispute Resolution
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Prof. Dr. Daniela Seeliger, Partnerin, Kartellrecht
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Andreas Steck, Partner, Aufsichtsrecht
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Dr. Sabine Vorwerk, Partnerin, Restrukturierung
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Ulrich Wolff, Partner, Corporate / M&A
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